Trauerbegleiterin rät: Trauer zulassen
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Während die Anteilnahme bei einem Sterbefall anfangs oft noch groß ist, beobachten viele Trauernde, dass sich Menschen in ihrem Umfeld nach einer gewissen Zeit zurückziehen. „Trauernde erleben zum Beispiel, dass Bekannte bei einem Aufeinandertreffen schweigen oder die Straßenseite wechseln, statt das Gespräch zu suchen", sagt Catharina Jebe-Akapo, Leiterin des Caritas-Hospizdienstes Berlin. Der Grund: Viele seien schlichtweg überfordert mit der Situation. „Oft haben Freunde, Familie und Bekannte das Gefühl, sie halten das Thema nicht mehr aus."
Trauerbegleiter wie Jebe-Akapo nehmen sich intensiv Zeit für die Betroffenen. Aus Erfahrung weiß sie, wie wichtig es ist, den unangenehmen Gefühlszustand, die Traurigkeit und alles, was dazu gehört zu akzeptieren: „Die Trauer muss nicht nach ein, zwei Monaten und auch nicht nach einem Jahr vorbei sein. Sie darf weiterhin da sein.“
Einen Ort schaffen, wo Trauernde darüber sprechen können, was sie bewegt
„Ich scheue mich zwar immer, den Betroffenen allgemeine Ratschläge zu geben, weil der Prozess bei jedem individuell ist, aber was ich auf jeden Fall mitgeben kann: Trauer ist ein schwerer Weg, aber sie gehört dazu. Sie ist eine natürliche Reaktion auf einen Verlust." Wichtig sei, dass die Trauernden einen Ort hätten, wo sie darüber sprechen können, was sie bewegt.
Um was es bei den Trauergesprächen gehe, sei ganz unterschiedlich. „Mit den einen konzentriert man sich zum Beispiel eher auf die Erinnerungsarbeit. Bei anderen ist es wichtig: Wie verbringe ich bestimmte Termine – zum Beispiel Todestag, Geburtstag oder Weihnachten?“ Gemeinsam schaue man sich dann an, was dem Trauernden an den bestimmten Tagen helfen könne oder mit wem er den Tag verbringen möchte.
Individueller Prozess: Die einen wollen reden, die anderen in Aktion kommen
Für manche Betroffene sei es sehr wichtig, über ihre Gefühle zu reden. Bei anderen helfe es mehr, in Aktion zu kommen. "Ich empfehle zum Beispiel Bewegung oder andere körperorientierte Wege der Trauerbegleitung." Gerade auch Trauergruppen oder Trauercafés, an denen Menschen mit ähnlichen Schicksalen und Erfahrungen teilnehmen, seien sehr hilfreich für den Prozess der Verarbeitung.
Catharina Jebe-Akapo ist gelernte Krankenschwester und hat viele Jahre auf der Intensivstation gearbeitet. Dort hat sie bereits viele schwerkranke Menschen begleitet. Schon immer lagen ihr diese am Herzen. „Und irgendwann war für mich der Punkt da, an dem ich gesagt habe, ich möchte noch mehr Zeit für die Sterbenden haben und ihre Angehörigen unterstützen.“ Zu dem Zeitpunkt habe sie angefangen, im ambulanten Hospizdienst zu arbeiten. „Und so kam es, dass ich letztendlich 2015 Hauptamtliche geworden bin.“
Veränderungen bei Trauernden „beeindruckend zu sehen“: „Der Umgang mit der Trauer ändert sich“
„Obwohl es natürlich ein schwieriges Thema ist, ist meine Arbeit sehr sinnstiftend und bereitet mir viel Freude“, sagt Jebe-Akapo. Beeindruckend sei es für sie immer zu sehen, wenn jemand regelmäßig zu ihr komme und sie spüre, wie sich seine Einstellung im Laufe der Zeit verändere. „Die Trauer ist dann nach wie vor da. Nur der Umgang damit ändert sich. Und dann freut es mich, zu sehen, dass jemand zum Beispiel wieder mehr zurück in seinem Alltag angekommen ist und ein Stück weit mit seiner Trauer leben kann.“ Tipps für den Umgang mit Trauer finden Sie hier.
Nicht ganz einfach für die Caritas: Die Sterbebegleitung wird durch die Krankenkassen finanziert. Bei der Trauerarbeit ist man hingegen voll und ganz auf Spenden angewiesen. "Wir müssen uns daher nachhaltig um deren Sicherung bemühen."
Umgang mit Schwerkranken lehrt Trauer- und Sterbebegleiterin viel fürs eigene Leben
Eines habe sie durch den Umgang mit Schwerkranken auch für das eigene Leben ganz besonders gelernt: das eigene Leben mehr wertzuschätzen und achtsamer zu sein.