Wie Trauernde den Jahreswechsel erleben

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Der Jahreswechsel gilt für viele als Symbol für Neubeginn und Hoffnung. Wer jedoch einen geliebten Menschen verloren hat, fühlt zu dieser Zeit oft alles andere als Aufbruchstimmung. Statt guter Vorsätze, frischer Ideen und neuer Motivation empfinden Angehörige von Verstorbenen häufig nichts als Leere. Gerade, wenn andere Menschen lauthals feiern und fröhlich sind, werden Einsamkeit und Trauer bei Betroffenen umso stärker spürbar.
Erinnern statt vergessen
Vorneweg: Es gibt kein „richtiges“ Tempo und keinen festen Moment, an dem man bereit sein muss, neu zu starten. Trauer folgt keinem Kalenderblatt. Es ist erlaubt, das neue Jahr leise zu beginnen – ohne Vorsätze, ohne große Worte, ohne Feuerwerk.
Ins neue Jahr zu gehen bedeutet nicht, den Verstorbenen zurückzulassen. Viele Menschen finden Trost darin, bewusst einen Platz für die Erinnerung zu schaffen - zum Beispiel mit einer Kerze oder einem Brief an den geliebten Menschen. Rituale können bei der Trauerbewältigung helfen.
Kleine Schritte sind genug
Statt großer Ziele kann es helfen, das neue Jahr in kleine, machbare Schritte zu unterteilen. Vielleicht ist der erste Vorsatz nicht „glücklich sein“, sondern „für mich sorgen“. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Spaziergang, einem leckeren Essen oder einem herzerwärmenden Gespräch? Wichtig ist vor allem der richtige Umgang mit dem schmerzhaften Gefühl.
Manche Menschen brauchen Nähe, andere Rückzug. Beides ist wichtig. Wer sich nach Austausch sehnt, darf Unterstützung annehmen: von Familie, Freunden oder auch professionellen Begleitern. Helfen kann es auch, Podcasts zum Thema zu hören. Auf unserer Seite stellen wir fünf Podcasts vor, die Trost spenden. Wer Stille braucht, darf Einladungen absagen und Grenzen setzen – ohne sich erklären zu müssen.
Hoffnung in neuer Form
Hoffnung nach einem Verlust sieht oft anders aus als zuvor. Manchmal ist sie kaum spürbar. Die gute Nachricht: Sie kann wachsen. Der Schmerz muss nicht immer gleich stark bleiben. Lachen kann irgendwann wieder möglich sein.
Das neue Jahr ohne den geliebten Menschen wird anders sein. Es wird geprägt sein von einem „Ohne“, das schmerzt. Und gleichzeitig von einem „Mit“: mit Erinnerungen, mit Liebe, mit allem, was bleibt. Trauer ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Verbundenheit. Wer trauert, hat geliebt. Wie man Sterbende mit einer besonderen Methode lebendig in Erinnerung behalten kann, erklärt eine Heilbronnerin im Interview mit trauerundgedenken.de.
Vielleicht ist der wichtigste Gedanke zum Jahresanfang dieser: Man muss nicht gleich komplett neu anfangen. Es reicht, weiterzugehen. In seinem eigenen Tempo. Schritt für Schritt.