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Trauer hat kein Ablaufdatum

Foto: Adobe Stock/Photographee.eu

Nach dem Verlust eines geliebten Menschen ist es für Angehörige oft sehr schwierig, wieder in den normalen Alltag zurückzufinden. „Das Schlimmste für Trauernde: Der Mensch, der ihnen nahestand, ist unwiederbringlich“, sagt Heilpraktikerin Birgit Sinn, ausgebildete Sterbe- und Trauerbegleiterin aus Untergruppenbach. „Viele denken, sie müssen den Verstorbenen loslassen.“ Jedoch gehe es nicht darum, jemanden „aus seinem Herzen zu reißen“.

Die Trauerbegleiterin erklärt: „Zur Verarbeitung eines Verlusts gehören Selbstverurteilung, Versäumnisse, Schuldgefühle, Wut und Enttäuschung.“ Auch gehe es um die Verarbeitung vergangener und sich neu ordnender Beziehungen. In der monatlich stattfindenden „Trauer-Lounge“ im Mehrgenerationenhaus in Untergruppenbach spricht Sinn mit den Teilnehmern über genau diese Themen. Das offene, niederschwellige Angebot richtet sich an alle Altersklassen. „Aktuell liegt das Durchschnittsalter zwischen 45 und 70 Jahren.“

Aktiv an der Trauer arbeiten: Selbst- und Gruppen-Reflexion

In der Trauer-Lounge wird aktiv an der Trauer gearbeitet. Das sei auch deshalb möglich, da die Gruppe meist nur aus fünf bis acht Personen bestehe. „Ich bringe jedes Mal ein Thema mit“, sagt Sinn. Immer zu Beginn gibt sie den Teilnehmern die Möglichkeit, zu berichten, wie es ihnen geht. „Dann dürfen Aspekte des Themas in der Selbst- und Gruppen-Reflexion betrachtet werden.“

Wichtig für die Teilnehmer sei es, eine Vertrauensbasis aufzubauen, um sich der Gruppe öffnen zu können. Viele Methoden, die Sinn in die Arbeit in der Gruppe mit einfließen lässt, stammen aus der systemischen Arbeit und aus Ansätzen der Trauma-Therapie. „Dazu gehören beispielsweise innere Bildarbeit, Symbolarbeit, meditative Aspekte sowie Nervensystem- und Selbstregulation.“

"Sich im geschützten Raum die Last von der Seele reden"

Praktische Übungen in Achtsamkeit mit dem eigenen Körper seien für viele Teilnehmer sehr heilsam. „Wenn der Körper etwas Heilsames erlebt, geht es einem auch insgesamt besser.“ Ein Thema sei auch die sogenannte Ressourcenarbeit. Das bedeutet: „Welche Kraft liegt in einem selbst und wie kann man sie aktivieren?“ Auch Rituale für den Alltag zu schaffen, sei eine zentrale Aufgabe der Trauerarbeit – gerade, wenn es um emotional schwierige Tage wie den Geburtstag des Verstorbenen oder Weihnachten gehe.

Als Selbsthilfegruppe versteht sie die Trauer-Lounge nicht. „Aber man trifft auf Menschen, die Verlust und Leid kennen. Erfahrungen können geteilt werden und man darf sich im geschützten Raum auch Last von der Seele reden.“ Manchmal würden Trauernde einige Zeit nach dem Verlust zu hören bekommen: „Was, du trauerst immer noch?“ Aber: „Jeder trauert, solange er trauert.“ Und dennoch darf sich manches verändern. „Es geht auch um die Erlaubnis zur Trauer sowie den Umgang mit der Bewertung durch andere Menschen.“

Schön zu sehen sei es, wenn sich die Teilnehmer auch über die Gruppe hinaus vernetzen und Freundschaften entstehen. „Einsame Menschen finden wieder Anschluss.“ Genau dafür sei auch das Generationenhaus an sich da, wie Projektkoordinatorin Patricia Bechle erklärt. „Einsamkeit ist ein Riesenthema im Moment, auch bei jungen Leuten.“

Weitere Angebote im Bereich Trauer angedacht

Ergänzende Angebote im Mehrgenerationenhaus, die Trauernde besuchen können, seien zum Beispiel Klangschalen-Kurse, Rauhnächte, Gesundheitsworkshop, Waldbaden oder Qi-Gong. 40.000 Euro Fördersumme hat das Mehrgenerationenhaus in diesem Jahr vom Bundesministerium für Familie und Bildung erhalten. „Wir planen, dieses Jahr noch mehr Angebote im Bereich Trauer einzuführen“, sagt Patricia Bechle. „Wir wollen zum Beispiel einen Trauerspaziergang anbieten.“ Auch etwas in Richtung Kreativ-Workshop sei denkbar.    
 

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