Persönliche Beziehung zum Menschen wichtig für Sterbe- und Trauerbegleitung

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Wenn Menschen unheilbar erkranken, ist das für Angehörige meist schmerzhaft und überfordernd. Oft steht die zentrale Frage im Raum: Wie schafft man es, dem Schwerkranken den letzten Lebensabschnitt so leidfrei wie möglich zu bereiten?
Laut Sigmund Jakob, ärztlicher Gesamtleiter bei der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) in Weinsberg, sei es neben der Symptomlinderung sehr wichtig, eine persönliche Beziehung zum Patienten aufzubauen. Nicht nur für Angehörige, sondern auch für Ärzte, Sterbebegleiter und Pfleger. „Es geht um biografische Themen, die in die Auffassung von Leben und Sterben mit einfließen. Es geht um Spirituelles und auch um Trauerarbeit.“
Palliativversorgung greift heutzutage früher ein – nicht erst kurz vor dem Tod
Früher habe in der Regel ein Pfarrer diese Aufgabe übernommen. „Weil die meisten Pfarrer es heute zeitlich nicht mehr schaffen, müssen andere – etwa Palliativmediziner oder Pflegekräfte – sie in dieser Funktion jetzt mehr oder weniger ersetzen“, sagt Jakob.
Wann eine palliative Behandlung notwendig ist, sei heutzutage anders definiert als früher. „Früher hieß palliativ: kurz vor dem Tod. Heute greift man bereits zu dem Zeitpunkt ein, wenn einen Menschen eine unheilbare Erkrankung befallen hat.“
Letzte Wünsche von Schwerkranken, Patientenverfügung und Symptombehandlung
Auch gehe es darum, letzte Wünsche des Schwerkranken herauszufinden, gerade, was Maßnahmen zu seiner Gesundheit betrifft. Besonders wichtig sei es in dem Zusammenhang, den Kranken und seine Angehörigen auf das Thema Patientenverfügung hinzuweisen.
Auch der ärztlich assistierter Suizid sei ein Thema, das in der Palliativmedizin immer wieder aufkomme. "Der Arbeitskreis stationärer Hospize in Baden-Württemberg unterstützt den assistierten Suizid allerdings nicht“, erklärt Jakob. Wer also hier im Bundesland stationär ins Hospiz aufgenommen wird, hat keine Möglichkeit, dort einen assistierten Suizid durchführen zu lassen.
Selbstbestimmt Sterben: "Greifen nicht in die Entscheidung ein"
„Wir beraten die Menschen und zeigen ihnen Möglichkeiten auf, weiterzuleben. Aber wenn jemand die Entscheidung trifft, den assistierten Suizid extern vornehmen zu lassen, greifen wir natürlich nicht in die Entscheidung ein.“ Auch das gehöre zum selbstbestimmten Sterben dazu.
Jakob gibt zu bedenken: „Es gibt auch Menschen, die in einer tiefen Depression stecken. Mit diesen Personen die aktive Sterbehilfe zu besprechen, ist nicht fair.“ Wie er betont, müsse ganz klar sein, dass dem Sterbewunsch nicht eine Depression zugrunde liege.
„Menschen sterben, wenn sie ruhig werden und sich entspannen können“
Eines hat Jakob in seiner langjährigen Tätigkeit als Palliativmediziner gelernt: „Menschen sterben, wenn sie ruhig werden und sich entspannen können. Es gibt niemanden, der in der Aufregung stirbt.“ Viele Schwerkranke würden zum Beispiel gelassener, wenn sie ihr häusliches Umfeld verlassen, ins Hospiz umziehen und dort erstmal durchatmen können.
Einige würden durch den räumlichen Abstand auch besser emotional Abstand nehmen können. Jakob erklärt: „Loslassen können im Sterben Liegende vor allem dann, wenn zwischenmenschliche Probleme noch gelöst wurden und sie im Reinen mit sich sind.“
Keine reine Symptombehandlung – gute Beziehung zwischen Arzt, Pflegekraft und Patient entscheidend
Die „besten Sterbebegleitungen“ seien die, bei denen man als Arzt und Pflegekraft zum Patienten eine gute Beziehung aufgebaut hat. Eine reine Symptombeseitigung, beispielsweise durch Medikamente, sei nicht das Ziel der SAPV, so Jakob. „Wir schauen immer auch auf die Sinnhaftigkeit einer Maßnahme.“ Durch den Umgang mit Sterbenskranken lerne man auf alle Fälle: „Gesundheit ist keine Selbstverständlichkeit.“