Jugendliche trauern anders

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Werden Jugendliche mit dem Tod eines nahestehenden Menschen konfrontiert, benötigt das Umfeld Fingerspitzengefühl. So hat die jüngere Generation in mancherlei Hinsicht einen anderen Umgang mit Trauer. Im Alltag der jungen Menschen gibt es häufig wenig Platz fürs Abschiednehmen.
Gerade, wenn eine gleichaltrige Person – beispielsweise eine Mitschülerin oder ein Mitschüler– stirbt, sind viele Jugendliche überfordert. Von Weinen über Wut bis hin zu Angst oder sogar Albernheit: Ihre Trauerreaktionen können stark variieren. Während Extrovertierte offen zeigen, was sie fühlen, machen Introvertierte vieles mit sich selbst aus. Viele Jugendliche reden lieber mit ihren Freundinnen oder Freunden als mit den Eltern.
Seelsorgerin rät: Jugendliche für ihre Art und Weise zu trauern nicht verurteilen
„Jugendliche sind in ihrer Trauer stark auf ihre Altersgenossen bezogen“, sagt Katja Sichau, Lehrerin am Katholischen Freien Bildungszentrum St. Kilian in Heilbronn und seit 2017 als Seelsorgerin zuständig für das Schulpastoral.
Wie der Schulseelsorgerin wichtig zu betonen ist, habe jeder seine ganz eigene Art und Weise zu trauern. Für die Jugendlichen sei es hilfreich, dafür, wie sie trauern, nicht verurteilt zu werden. Wie lange die Trauer anhalte, sei bei jedem individuell. Was den Schülern im Todesfall einer Mitschülerin oder einer Mitschülerin helfe: „Dass sie in der Schule einen Ort haben, wo sie zum Trauern hingehen können.“ Dafür gebe es an der Schule den „Raum der Stille“ – ein Zimmer, das, falls es benötigt wird, zum Trauerraum umfunktioniert wird.
Gemeinsam beten oder in die Stille gehen – Beisammensein in der Gruppe wichtig
Dort haben die Jugendlichen die Möglichkeit, gemeinsam eine Gedenkecke einzurichten. „Häufig werden die Jugendlichen dann sehr kreativ: Sie schmücken die Gedenkecke mit Fotos, Briefen, Collagen oder Plakaten, auf denen Aussagen von dem oder der verstorbenen Jugendlichen stehen.“ Über gestalterische Elemente sei es für viele junge Menschen leichter, das Erlebte zu verarbeiten. „Einen Ort zu haben, wo man hinkommen kann, wenn man das Bedürfnis danach hat, ist für die Schüler sehr heilsam“, betont die Schulseelsorgerin.
Die Person habe so nicht nur weiterhin einen festen Platz in ihrem Herzen, sondern für einen bestimmten Zeitraum auch einen räumlichen Ort in der Schule, der ihr gehört. Möglich sei es auch, gemeinsam in die Stille zu gehen oder zu beten. Nicht immer brauche es große Worte. „Manchmal wollen die Schüler auch einfach nur gemeinsam schweigen.“ Das Beieinandersein in der Gruppe – das Gefühl, nicht allein zu sein – sei für die Jugendlichen wichtig. Bei der Trauerbewältigung helfen auch Rituale.
Humor im Umgang mit Trauer wirkt befreiend
„Wir sagen ihnen bewusst, dass sie genauso auch fröhlich sein dürfen und nicht die ganze Zeit nur mit gesenkten Köpfen durch die Schule gehen müssen“, sagt die Schulseelsorgerin. Denn: Humor im Umgang mit Trauer wirkt befreiend. „Wir versuchen, zu spüren, was der Einzelne oder die Gruppe brauchen.“ Das könne auch ein Spaziergang oder Austoben in der Sporthalle sein, da Trauer auch manchmal mit Wut einhergehe.
Eine Methode, die vielen jungen Menschen helfe: „Sich anzuschauen, was genau an ihrem inneren Gefühl es ist, das sie am meisten belastet. Und die Traurigkeit auch mal in etwas Positives umzuformulieren.“ So könne man beispielsweise überlegen, welche positiven Dinge einem die verstorbene Person mitgegeben hat. Auch bei der Gestaltung der Beerdigung kämen oft sehr persönliche, kreative und schöne Inputs von Jugendlichen.
Anlaufstellen für trauernde Jugendliche im Raum Heilbronn
Auch, wenn es in der Verwandtschaft einen Todesfall gab, steht Katja Sichau den Schülern als Ansprechpartnerin für beratende Gespräche zur Verfügung. Beratungsstellen, die die Seelsorgerin den jungen Trauernden empfehlen kann, sind in Heilbronn beispielsweise die Caritas oder der Arbeitskreis Leben. Eine Anlaufstelle für Menschen von sechs bis 25 Jahren bietet auch der Verein Lichtblick-TAK e.V. „Es gibt eine Reihe von Anlaufstellen, auch Gruppentreffen für trauernde Jugendliche.“ Fest steht: Wer sich in einer emotional belastenden Situation befindet, muss nicht allein durch diese harte Zeit und darf sich Hilfe holen.