Ein Naturparadies als letzter Ruheort
Foto: Astrid Link
"Ein Friedwald ist ein Friedhof im Sinne des Gesetzes. Die Asche der Verstorbenen ruht in biologisch abbaubaren Urnen unter den Bäumen. Es ist die naturnächste Form der Bestattung,“ erklärt Niklas Wozniak, Förster im Dienste des Grafen von Neipperg, der als Waldbesitzer den Friedwald an der B 293 seit 2005 betreibt. Trägerin des Areals ist die Stadt Schwaigern, Verwalterin die Friedwald-Gesellschaft im hessischen Griesheim. Bei einem einstündigen Rundgang erfahren die Teilnehmer der Friedwald-Führung an ausgewählten Stationen alles Wesentliche über das Friedwald-Konzept und die Möglichkeiten, sich schon zu Lebzeiten seine Ruhestätte zu kaufen.
Die mit Baumnamen beschilderten Wege sind gut passierbar, der Wald wird möglichst naturnah gepflegt. Auf Forstarbeiten kann jedoch nicht ganz verzichtet werden. „Wir räumen immer auf, damit niemand zu Schaden kommt, aber Eigenverantwortung ist auch wichtig. Während oder direkt nach einem Sturm sollte man hier nicht herumlaufen“, mahnt der Förster. „Was passiert denn, wenn der eigene Baum beschädigt wird?“, fragt eine ältere Dame, die mit ihrem Mann aus Brackenheim gekommen ist. „Wenn dort noch niemand beigesetzt wurde, kann kostenfrei ein neuer Baum gewählt werden. Ansonsten gibt es einen Ersatzbaum in direkter Nachbarschaft, da finden wir immer eine Lösung“, antwortet Niklas Wozniak.
"Ich möchte schon sehen, wo ich mal herumliege"
An manchen Bäumen fallen farbige Bänder auf. Sie markieren die freien Ruhestätten. Blau kennzeichnet einen Generationenbaum, der für 99 Jahre erworben wird, gerechnet ab Eröffnung des Friedwalds. Die Zahl der verfügbaren Plätze richtet sich nach den natürlichen Gegebenheiten. Eine Plakette am Baum informiert darüber. Rote Bänder markieren einen Partnerbaum für ein bis zwei Personen, den man für 15 bis 30 Jahre erwirbt, bemessen ab dem Tag der letzten Beisetzung. „Das wäre einer für uns“, meint eine Teilnehmerin zu ihrem Gatten. Als ehemalige Gärtnerei-Betreiber liegt dem Ehepaar aus Marbach die Natur sehr am Herzen, da ist der Wald ideal. „Und ich möchte schon sehen, wo ich mal herumliege“, meint der Friedhofsgärtner.
Ein Gemeinschaftsbaum mit gelbem Band verweist auf einzelne verfügbare Plätze. Der Basisplatz kann nicht selbst ausgewählt werden, sondern wird von den Förstern zugewiesen. Mit 590 Euro gehört er zu den günstigsten Ruhestätten. Kostenlos ist ein Platz am Sternschnuppenbaum, für Kinder bis zu drei Jahren. An jedem Baum kann eine spezielle Namenstafel angebracht werden, mit den Daten der Verstorbenen, einem Gedicht oder besonderen Spruch. Grabbeigaben aus natürlichen Materialien sind erlaubt, Grabschmuck dagegen nicht. „Das ist hier auf 45 Hektar ein Naturparadies. Und das soll es bleiben“, sagt Wozniak, der auch die Baumauswahl erläutert.
Baumauswahl auch online möglich
Die Auswahl mit dem Förster direkt vor Ort gefällt den Anwesenden am besten. Sich online einen Baum auszusuchen, wäre ebenfalls möglich. Die Vielfalt der Baumarten, darunter Eiche, Hainbuche, Holunder, Kirsche, Lärche und Linde, ist erstaunlich.
Anhand eines Beispielbaums und der biologisch abbaubaren Urne erklärt der Förster ein Bestattungsszenario, das bei jedem Wetter erfolgt. Für die Trauerfeier, die individuell gestaltet werden darf, steht der große Andachtsplatz mit dem hohen Eichenholzkreuz, einer Abstellmöglichkeit für die Urne und Bänken zur Verfügung.
Dass der Wald auch für einen Spaziergang ideal ist, wird positiv bewertet. Bänke laden zum Verweilen ein. Zufrieden bedanken sich alle für die anschauliche Führung.
Friedwald GmbH ist führender Anbieter von Naturbestattungen in Deutschland
Die im Jahr 2000 gegründete Friedwald GmbH mit Sitz in Griesheim ist der führende Anbieter von Naturbestattungen in Deutschland. Ziel ist es, in den schönen Waldregionen Europas ein einheitliches und ökologisch anerkanntes Naturbestattungskonzept zu gewährleisten. Als Marke ist der Friedwald in Deutschland und Österreich geschützt.
Mittlerweile gibt es deutschlandweit über 80 Standorte für Baumbestattungen. Sie sind überkonfessionell und erfolgen in ausgewiesenen Bestattungswäldern. Mehr unter www.friedwald.de.