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Wenn der Tod zum Beruf gehört

Autor Ben Ferdinand

Foto: Ben Ferdinand

Rund um die Uhr verfügbar sein – das ist für Thilo Klar vom gleichnamigen Bestattungsinstitut in Leingarten selbstverständlich. Kaum setzt er sich zum Gespräch an seinen Tisch, klingelt das Handy: „Ein schwieriger Trauerfall“, flüstert er.

Bestatter – ein Beruf, den viele als besonders bezeichnen würden, oder? „Selbstverständlich“, sagt Klar. „Bei Fremden steht man sofort im Mittelpunkt, wenn sie das erfahren“, meint der 51-Jährige und lacht. „Man trifft nicht allzu häufig einen Bestatter.“ Die am häufigsten gestellte Frage: Was eine Beerdigung kostet. „Im günstigsten Fall ab viertausend Euro. Nach oben gibt es keine Grenzen“, sagt Klar und muss erneut schmunzeln.

Wie Thilo Klar aus Leingarten als Bestatter mit Tod, Trauer und schwierigen Abschieden umgeht

Doch sein Handwerk ist weniger zum Schmunzeln: „Es ist körperlich anstrengend – fast jeder Bestatter hat Rückenprobleme vom vielen Tragen – und auch psychisch belastend“, erklärt Klar nachdenklich. Der tägliche Umgang mit Tod, Leid und Trauer gehört zur Routine. Aber auch Thilo Klar schläft an manchen Tagen schlecht.

„Es gibt einen großen Unterschied zwischen Stadt- und Landbestattern“, erklärt er. „Als Landbestatter kennt man seine Kundschaft besser und ist emotional stärker involviert.“ Für die Angehörigen sei das angenehmer, es bestehe ein gewisses Vertrauensverhältnis – man duzt sich und kennt einander. Für Klar aber manchmal eine zusätzliche Belastung: „Das geht einem dann schon näher.“

Bestatter Thilo Klar begleitet über 100 Sterbefälle im Jahr.  Foto: Ben Ferdinand

Doch wie wird man eigentlich Bestatter? „Man wird hineingeboren“, sagt Thilo Klar, der den Betrieb des 1977 gegründeten Leingartener Bestattungsinstituts von seinem Vater Martin von klein auf miterlebte. „Ich wollte schon mit fünf Jahren immer die Leichen sehen – das hat mich interessiert“, erzählt er. Mit acht Jahren half er bereits im Betrieb mit, bereitete Särge vor und schnitt, wie er mit hochgezogenen Augenbrauen berichtet, mit zehn sogar einmal eine Frau vom Strick – heutzutage undenkbar, wie er anmerkt. „Das hat mich damals dann schon psychisch stark belastet.“

Einblicke ins Leben eines Bestatters: Nähe, Belastung und der Wandel der Trauerkultur

Nach seiner Ausbildung zum Industriekaufmann, die er 1997 abschloss, zog sich Klar 1999 zunächst aus dem Bestattergeschäft zurück. 2004 kehrte er auf Wunsch seines Vaters zurück und übernahm das Institut.

Der Arbeitsalltag ist vielfältig: Bei einem Sterbefall wird er kontaktiert, beruhigt zunächst das Umfeld und moderiert die ersten Schritte. Nachdem ein ärztlicher Totenschein ausgestellt wurde, wird der Verstorbene ins Institut überführt. Dort erfolgt die hygienische Versorgung und die Vorbereitung für die Verabschiedung oder Identifizierung – inklusive Nähen, Retuschieren und mehr.

In diesem Bereich sei, laut Klar, Bestattungsfachkraft Micola Moos, mit der er das Institut gemeinsam betreibt, besonders versiert. „Wir nehmen uns viel Zeit und erreichen oft ein gutes Ergebnis“, sagt Klar. Die Einbettung und Versorgung kann zwischen einer halben und bis hin zu mehreren Stunden dauern. Im Jahr stehen für Klar über 100 Sterbefälle an.

„Das ist das Allerschwierigste“ – Bestatter Thilo Klar über Kinderbeerdigungen

Im Laufe der Jahre hatte er es mit unterschiedlichsten Fällen zu tun: Unfallopfer, Suizide, Bahntote, plötzliche Todesfälle. „Man darf nicht schreckhaft sein und muss mit Gerüchen sowie Körperflüssigkeiten umgehen können – und auch mal zupacken, wenn es unangenehm wird.“ Für Klar und viele Kollegen aber das Schwerste: „Kinderbestattungen. Darum reißt sich niemand. Das ist das Allerschwierigste“, betont er.

Im Laufe der Zeit beobachtet Bestatter Thilo Klar klare Veränderungen in seinem Berufsfeld: „Der Trend geht zur Feuerbestattung – weg von der klassischen Erdbestattung im Sarg.“ Alternative Bestattungsformen werden immer beliebter. Auch die Gestaltung der Trauerfeiern habe sich gewandelt. Statt kirchlicher Zeremonien mit Pfarrern treten immer häufiger freie Redner auf. Auch die Musikauswahl der Angehörigen hat Klar schon einige Male überrascht.

"Wir sind Seelsorger, Kummerkasten, Ratgeber und Mediatoren"

„Jeder Mensch geht anders mit dem Verlust um, Todesumstände und Alter spielen eine große Rolle. Wir Bestatter sind oft die ersten Ansprechpartner – noch vor dem Pfarrer. Wir sind Seelsorger, Kummerkasten, Ratgeber und Mediatoren.“ Zusätzlich übernehmen sie die Organisation der Trauerfeier und der Beisetzung. „Das ist für mich das Anstrengendste“, gesteht Klar. „Trotz jahrzehntelanger Erfahrung habe ich vor jeder Beerdigung Lampenfieber – alles muss reibungslos ablaufen.“ Ein Beispiel bringt er gleich mit: „Wenn dem Bräutigam bei einer Hochzeit der Ring runterfällt, ist das im Moment peinlich, aber später lachen alle darüber. Bei einer Beerdigung gibt es nichts zu lachen. Da muss alles perfekt sein.“

„Jeder Sterbefall, jede Beerdigung ist anders. Ich mache das zwar schon mein ganzes Leben, aber werde immer wieder überrascht“, sagt er. Sein Credo „Rund um die Uhr verfügbar sein“ hat dabei auch schon mal für Überraschungen gesorgt. „Natürlich gehe ich auch mal in die Wirtschaft und trinke ein Bier – aber wenn das Telefon klingelt, rücke ich trotzdem aus.“

Bestattungsarten

Von traditionellen Erd- und Feuerbestattungen bis hin zu alternativen Optionen.

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