Hospizdienst Kocher-Jagst initiiert Trauerbänkle in Morsbach
Foto: Tamara Ludwig
In der Natur sein, den Blick schweifen lassen, Stille genießen – oder aushalten, sich eine Pause nehmen und den Gedanken ihren Lauf lassen: Ganz egal, wie jemand den Weitblick am Morsbacher Rundwanderweg nutzt und erlebt, er kann dies seit diesem Sommer sitzend tun. Mit dem Trauerbänkle finden hier nicht nur Trauernde einen Anlaufpunkt. Auch Spaziergänger können rasten und durchatmen. Initiiert hat das Bänkle der Hospizdienst Kocher-Jagst. Auf die Idee sei man jedoch nicht selbst gekommen, räumt dessen Leiterin Carmen Landwehr ein. „Wir haben uns das abgeschaut“, erklärt sie.
Hospizdienst erhält Unterstützung für neues Trauerbänkle in Morsbach
Als die Sparkasse Hohenlohekreis die Spendenaktion „s’Bänkle“ startete, war die Gelegenheit da, das umzusetzen. Hierbei konnte man sich als Verein, Schule oder Institution, die gemeinnützige, mildtätige oder kirchliche Zwecke verfolgt, um eine von 24 Holzbänken bewerben. Der Hospizdienst ging mit der Idee Trauerbänkle ins Rennen und hatte Glück. Unterstützung erhielt man außerdem von den „Wilderern“ Morsbach, die nicht nur für den Aufbau der Bank sorgten, sondern auch den Tipp für den passenden Standort gegeben hatten.
Damit noch mehr Menschen von der Bank erfahren, sei gerade eine Hinweistafel in Arbeit, ergänzt Carmen Landwehr. Ein Baum wurde am Bänkle gepflanzt und eventuell wolle man noch eine Fußbank nachrüsten. Dass der Standort besonders geeignet ist, davon ist Ingeborg Zeller überzeugt. Die Morsbacherin ist ehrenamtlich engagiert beim Hospizdienst. Sie selbst laufe diesen Weg „fast jeden Tag“, berichtet sie. Deshalb ist sie sicher, dass das Bänkle bereits gut angenommen werde. Der Prospekthalter mit den Informationen zu den Trauerangeboten des Hospizdienstes sei bereits leer, „da müssen wir auffüllen“.
Trauerwanderungen helfen dabei, die Gedanken zu sortieren
Denn der Hospizdienst Kocher-Jagst ist nicht nur in der Sterbebegleitung aktiv, auch für Trauernde gibt es spezielle Angebote wie Lesungen, Vorträge, Trauercafé, Gottesdienste und Trauerwanderungen. Gestemmt wird das Angebot unter anderem von den Trauerbegleitern und -begleiterinnen des Hospizdienstes. Neben Ingeborg Zeller sind das auch Jürgen Maczollek, Bärbel Weltin, Erna Herter und Margot Wicharz.
Bei den Trauerwanderungen – unter anderem auf dem Morsbacher Rundweg – sollen sich Menschen, die ähnliches durchmachen, kennenlernen. Mal läuft man gemeinsam, mal jeder für sich. Bärbel Weltin ist überzeugt: „Im Gehen spricht es sich besser als im Sitzen.“ Denn viele könnten im Laufen Dinge besser verarbeiten. Auch das Draußen sein helfe, die Gedanken zu sortieren, ist Rahel Sauter, stellvertretende Leiterin und Koordinatorin beim Hospizdienst, sicher. Das sei der Unterschied zum Trauercafé, betont Margot Wicharz. Man sammle in der Natur besondere Eindrücke.
Trauercafé des Hospizdienstes wird es bald nicht mehr geben
Das Trauercafé werde man im Februar wohl zum vorerst letzten Mal anbieten, berichtet Carmen Landwehr. Der Zuspruch sei schlicht nicht mehr so groß. Der Bedarf an Angeboten für Trauernde aber ungebrochen, betont Landwehr, deshalb wolle man mit zwei Bastel-Abenden zu Ostern und Advent im kommenden Jahr zwei neue Formate ausprobieren. Die Trauerbegleiter des Hospizdienstes werden auch das mit Herzblut umsetzen.
Zwar haben sie alle ihre individuelle Motivation, Sterbende und Trauernde gleichermaßen auf ihrem Weg zu begleiten. Über allem steht für sie aber der Wunsch, zu helfen. Dabei strahlen sie Lebenslust und Herzlichkeit aus, dem düsteren Thema zum Trotz. Denn sie wissen: Der Tod gehört zum Leben. Oder wie es auf der Kaffetasse von Rahel Sauter zu lesen ist: „Übers Sterben zu reden, hat noch niemanden umgebracht.“
Infos zur Arbeit und den Angeboten des Hospizdienstes gibt es unter www.hospizdienst-kocher-jagst.de.