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Grabsteine mit Briefschlitz: Startup geht neue Wege

Autor Katharina Kausche, dpa

Foto: dpa/Katharina Kausche

Ein Start-Up aus Baden Württemberg denkt den Grabstein neu: Mit einem Briefschlitz im Grabstein will "Allivestone" einen psychologischen Effekt auslösen, der bei der Trauerarbeit helfen soll. Im Stein, der aus Faserzementplatten besteht und nach unten hin zur Erde offen ist, werden die Botschaften biologisch abgebaut. Den Angaben von Tim Busam und seinen drei Mitgründern zufolge wurden in Deutschland bislang dreißig solcher Brief-Grabsteine auf kommunalen Friedhöfen errichtet.

Auf der Website von Allivestone heißt es über das Konzept: „Du kannst Gedanken, Briefe oder kleine Erinnerungen direkt in den Grabstein einwerfen – so entsteht eine besondere Verbindung zu deinem Verstorbenen, die über den Moment hinaus trägt." Der Grabstein wird somit zum persönlichen Erinnerungs‒Briefkasten voller Liebe, Geschichten und wertvoller Erinnerungen, der Trost spendet und bei der Trauerbewältigung unterstützt.

Grabsteine mit Briefschlitz als Trauerhelfer

„Am Ende des Tages ist der Grabstein wie ein Seelsorger, der auf psychologische Art und Weise den Menschen Halt und Orientierung gibt, um mit Trauer umzugehen", sagt Allive-Mitgründer Tim Busam. Der Stein sei ein geschützter Raum. „In dem Moment, in dem man das Eingeworfene loslässt, hat man es tatsächlich auch losgelassen“, sagt er. Niemand komme an den Inhalt.

Früher sei der Friedhof ein Begegnungsort gewesen. Statt über Handy oder Telefon zu sprechen, saß man dort gemeinsam auf der Parkbank, so der 28-Jährige. Da setze der Briefkasten im Grabstein an. Der Friedhof dürfe ein „lebendiger Ort“ sein, ein Austauschraum. „Trauer und Tod ist alles andere als leblos“, sagt Busam.

Trauerexpertin: Gräber werden kreativer

Trauernde Personen und Familien hätten schon immer nach Wegen gesucht, etwas individuell zu machen, sagt die langjährige Trauerbegleiterin und Autorin Chris Paul. Mittlerweile sei von Jahr zu Jahr mehr möglich, auch bei Bestattungen und Trauerfeiern. „Wir haben eine unglaublich kreative Szene und auch Industrie“, so Paul. Und auch die Gräber seien insgesamt kreativer geworden.

Auf dem Grab eines 2023 an Krebs gestorbenen Familienvaters steht ein Grabstein mit Briefschlitz und einem eingearbeiteten Fingerabdruck des Vaters, in den die Familie Briefe einwerfen kann. Foto: dpa/Katharina Kausche

Briefe zu schreiben, sei ein Klassiker in der Trauerbegleitung – aber auch von trauernden Menschen selbst, sagt Paul. Mal würden sie Briefe ins Tagebuch schreiben oder die Botschaften verbrennen und die Asche auf die Gräber streuen. „Und ich glaube, diese Briefkastenidee ist da einzuordnen, dass Menschen einen Ort haben, wo sie hingehen können, um mit dem Brief ihre Gedanken mit Verstorbenen zu teilen.“ Solche Regelmäßigkeiten könnten in der Trauer helfen, den Alltag zu strukturieren.

Familie aus Süddeutschland kommuniziert über Briefe mit verstorbenem Vater

Auch der Grabstein des Vaters einer Familie aus Süddeutschland hat einen Briefkastenschlitz. Durch die Briefe haben Frau und Kinder das Gefühl, mit dem Verstorbenen zu kommunizieren. Kreative Methoden können insbesondere Kinder in der Trauerbewältigung unterstützen. Auch Jugendliche haben ihre ganz eigene Art und Weise, zu trauern und gelangen oft durch kreative Prozesse besser an ihre Gefühle und Emotionen. 

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