Papas Grab hat einen Briefkasten

Foto: Katharina Kausche/dpa
„Für Papa“ steht auf dem Briefumschlag. Der 13-jährige Ben klebt ihn zu. Auch seine drei jüngeren Geschwister schreiben und basteln für ihren Papa. „Ich habe Papa einen Brief geschrieben mit allen möglichen Sachen und dass ich ihn sehr vermisse“, sagt die zehnjährige Ida. Unter den Text klebt sie einen bunten Regenbogen aus Glitzersteinen. Den sechsjährigen Zwillingen Theo und Tom hilft Mama Christina beim Schreiben.
Dann nimmt die Familie ihre Briefe mit auf den Friedhof in Bad Wildbad. Papa Klaus ist vor etwa drei Jahren an Krebs gestorben. Sein Grabstein hat eine Besonderheit: einen Schlitz für Briefe. „Ich finde es schön, dass bei uns im Grabstein so ein Briefkasten drin ist, wo wir immer Sachen reinwerfen können“, sagt Ben. „Ich finde es cool, dass man so mit Papa reden kann.“
"Festhalten und loslassen": Trauerbegleiterin erklärt, wieso es hilft, Briefe an Verstorbene zu schreiben
Alle Kinder und Mama Christina werfen ihre Briefe ein. Sie erzählt, wie schwierig es war, den passenden Grabstein zu finden. „Er sollte zu unserem Löwenpapa passen“, sagt sie. So nennt die Familie den Vater.
Gemeinsam haben sie und die Kinder viel über den Tod geredet und den Grabstein nach ihren Wünschen gestaltet. Ben hat einen Löwenkopf gemalt. Steine, die die Familie im Urlaub gesammelt hat, bilden ein Herz. An der Seite gibt es einen Fingerabdruck ihres Papas. Und dann ist da der Briefschlitz.
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Ben (l-r), Ida, Theo und Tom basteln gemeinsam mit ihrer Mutter Christina Schmid an Briefen für ihren Vater. Der Familienvater starb 2023 an Krebs. Foto: Katharina Kausche, dpa
Einer gestorbenen Person Briefe zu schreiben, helfe, mit der Trauer umzugehen, sagt Trauerbegleiterin Chris Paul. "Man kann seine Gedanken und Gefühle in einem Brief festhalten und dann loslassen." Das war auch die Idee der Firma, die diese Grabsteine gestaltet. Der Stein ist nach unten hin zur Erde offen.
Die Botschaften zersetzen sich dort auf natürlichem Weg. So erreichen sie ihren Papa, sagen die Kinder. „Papa ist überall bei uns“, sagt Ben. Über die Briefe können sie ihm erzählen, was in ihrem Leben passiert. Wie Kinder Trauer erleben und wie man ihnen bei der Trauerbewältigung hilft, lesen Sie hier.