Naturnahe Bestattungen immer gefragter
Seit etwa drei Jahren ist Förster Niklas Wozniak zuständig für den Friedwald in Schwaigern. Zu seinen Aufgaben gehören Beisetzungstermine, Baum- Auswahltermine und Schadensfallbearbeitung. Foto: Sina Alonso Garcia
Naturverbundenheit über den Tod hinaus: Der Schwaigerner Friedwald bietet die Möglichkeit, sich unter Bäumen bestatten zu lassen. Etwa drei Kilometer von Schwaigern entfernt in Richtung Eppingen/Karlsruhe befindet sich das Waldstück gut erreichbar an der B293. Bei einer Begehung mit Förster Niklas Wozniak, zuständig für die 45 Hektar große Waldfläche, wird deutlich: Vom Rauschen der Straße ist nach wenigen Gehminuten ins Dickicht nichts mehr hörbar.
„Seit der Eröffnung im Jahr 2005 haben hier mehr als 9400 Bestattungen stattgefunden“, sagt Wozniak. „Es ist eine klare Alternative zum traditionellen Friedhof für viele, die sich die Grabpflege in der Familie nicht mehr sinnvoll aufteilen können.“ Auf den ersten Blick wirkt der Friedwald wie ein gewöhnlicher Wald. Schaut man genauer hin, entdeckt man an den Bäumen immer wieder kleine Tafeln mit eingravierten Namen und Daten.
Farbige Bänder zeigen an, welcher Baum in welcher Kategorie noch frei ist
Auch Bänder in verschiedenen Farben kann man an den Baumstämmen ausmachen. „Wer sich vorab anschauen möchte, unter welchen Bäumen es noch freie Gräber gibt, kann sich an den Farben der Bänder orientieren“, erklärt Wozniak. „Das blaue Band steht für einen Generationenbaum, das rote Band für einen Partnerbaum und das gelbe Band für einen Gemeinschaftsbaum.“
Die Preise für einen Platz unter einem Baum beginnen bei 890 Euro und reichen bis zu 7490 Euro. Die Urne ist in den Beisetzungesgebühren inkludiert und besteht aus Holzfasern mit Naturleim. „Innerhalb von drei Jahren lösen sich die Urnen weitgehend auf – also in deutlich weniger Zeit als die 20 Jahre lange Ruhezeit, die hier vorgeschrieben ist.“
Bestattung kann von Angehörigen individuell gestaltet werden
Bei der Gestaltung der Beisetzung sind den Angehörigen keine Grenzen gesetzt. „Alles, was wir guten Gewissens ermöglichen können, werden wir auch ermöglichen und begleiten“, sagt Wozniak. „Wir hatten mal ein Pony, das in der Satteltasche eine Urne zum Grab getragen hat.“ Auch kleine Zettel und Briefe mit Botschaften werden gerne ins Grab gegeben. „Einige schmücken auch den Baum, wo ihr Angehöriger begraben wird und hängen zum Beispiel Bilder an einer Wäscheleine auf.“ Nach der Bestattung wird auf Grabschmuck dann aus Rücksichtnahme auf die Natur verzichtet.
Im Friedwald werden biologisch abbaubare Urnen verwendet, die aus nachhaltigen Materialien bestehen und sich im Wald vollständig zersetzen. Foto: Friedwald
Ein Punkt, bei dem Angehörige im Vergleich zum traditionellen Friedhof Abstriche machen müssen: die Begehbarkeit. Statt gepflasterten oder asphaltierten Wegen muss man hier mit Erdwegen Vorlieb nehmen, die je nach Wetter auch mal matschig sein können.
Wald hat auf viele Menschen eine besondere Wirkung
„Bei Bestattungen, bei denen Menschen dabei sind, die schlecht zu Fuß sind, müssen wir deshalb oft Sondergenehmigungen für das Vorfahren mit dem Auto erteilen“, sagt Wozniak. Grundsätzlich sei es aber so gedacht, dass Friedwald-Besucher auf einem der zwei Parkplätze an der B293 ihr Auto abstellen und zu Fuß zum Grab gehen. Schon wenige Schritte vom Parkplatz entfernt gibt es die ersten Gräber, „seinen“ Baum kann man sich vorab selbst aussuchen.
„Meine Beobachtung ist, dass selbst diejenigen, die zunächst skeptisch sind und zu einer Beisetzung kommen, oftmals mit einem positiveren Gefühl hier rauslaufen, als sie gekommen sind“, sagt der Förster. Auf viele Menschen habe der Wald eine besondere Wirkung: „Es werden nochmal Lebensgeister und Erinnerungen geweckt. Die Natur hat eine sehr tröstliche Funktion.“
Bundesweit knapp 100 Friedwald-Standorte – „es kommen regelmäßig neue dazu“
Das Konzept ist in Deutschland bereits weit verbreitet. „Bundesweit gibt es knapp 100 Friedwald-Standorte, es kommen regelmäßig neue dazu“, sagt der Förster. „Die Nachfrage steigt.“ Einen Grund dafür sieht er mitunter darin, dass die Naturverbundenheit in der Gesellschaft zunimmt, alternative Bestattungsformen werden immer beliebter. Lediglich in Bayern sei das Konzept noch nicht so verbreitet. „Dort ist man vielleicht noch etwas konservativ. Da ist auf jeden Fall noch Platz für Standortnachverdichtungen.“
Einige Gehminuten vom Parkplatz entfernt liegt ein Andachtsplatz, an dem Trauerfeiern abgehalten werden können. Foto: Sina Alonso Garcia
Wer den Schwaigerner Friedwald und die Optionen für eine Bestattung kennenlernen möchte, hat jeden zweiten Samstag ab 14 Uhr die Möglichkeit, an einer kostenlosen Begehung mit Niklas Wozniak teilzunehmen. „Es besteht großes Interesse. Im Schnitt sind immer um die zehn bis 15 Teilnehmer dabei.“ Treffpunkt ist die Infotafel an Parkplatz 1.
Naturnahe Bestattung: Diese weiteren Anbieter gibt es in der Region
Neben dem Friedwald in Schwaigern gibt es in der Region weitere Anlagen für naturnahe Bestattungen – unter anderem den Ruheforst in Jagsthausen sowie den Ruheforst in Obersulm-Willsbach. Auch bei Eberstadt gibt es mit dem Ruhehain einen weiteren Standort für Waldbestattungen. Das Konzept ähnelt vielerorts dem im Friedwald: Die Urnen werden an den Wurzeln ausgewählter Bäume beigesetzt, Grabpflege entfällt, stattdessen übernimmt die Natur die Gestaltung der Ruhestätte. Unterschiede gibt es vor allem bei Größe der Anlagen, Laufzeiten und Preisen.
Preislich bewegen sich die Angebote im Ruheforst Jagsthausen und Obersulm sowie im Ruhehain Eberstadt auf einem ähnlichen Niveau wie in Schwaigern. Nach Angaben der Betreiber kosten Plätze an Gemeinschaftsbäumen meist zwischen 890 und 1390 Euro, Partner- oder Familienbäume liegen häufig zwischen rund 2890 und 7490 Euro. Hinzu kommen jeweils Beisetzungsgebühren von derzeit etwa 450 Euro. Informationen zu Grabarten, Führungen und freien Bäumen bieten die Betreiber online an.