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Statt Holz: Bestatter setzt auf Sarg aus Pilzen

Autor Thomas Tjiang

Mit einem Gewicht von ca. 30 Kilogramm ist der Pilzsarg im Vergleich zu einem herkömmlichen Sarg eher leicht. Foto: Bestattungen Burger

Am Anfang stand der Zufall. Bestatter Luis Bauer entdeckte mit seinem Vater auf einer Fachmesse einen Pilzsarg. Die beiden waren sofort begeistert. „Das war mal etwas ganz anderes“, erinnert sich Luis, der in sechster Generation im Fürther Familienbetrieb Bestattungen Burger arbeitet.

Das Produkt eines niederländischen Jungunternehmens für Erd- und Feuerbestattungen gilt als umweltfreundlich. Er wächst aus einem Pilz-Hanfgranulat in einer Form und kommt in der Herstellung ohne Wärme, Strom oder Licht aus.

Verstorbener liegt auf Moos

Die Idee dahinter: Der Pilzsarg zersetzt sich in seine Bestandteile. Selbst die Tragegriffe sind laut Hersteller nicht aus Metall, sondern aus Jute. Nach einer Beisetzung fangen die Pilze in der feuchten Erde wieder an, zu wachsen. Der Verstorbene liege im Sarg auf Moos, erklärt Bauer. Der Pilz soll zudem die Zersetzung des Toten beschleunigen.

Selbst wenn sich dieser Sarg in der Breite durchsetzen würde, bestehe keine Gefahr, dass sich Friedhöfe in Pilzplantagen verwandeln. Die Pilze unterstützen die Mikroorganismen im Boden, aber sie gelangen nicht an die Oberfläche, sagt Bauer. „Nachhaltigkeit ist ein weltweites Thema.“ Ein konventioneller Sarg benötige allein an Holz mindestens einen halben Baum.

Großes Interesse an Pilzsärgen 

Hinzu kommen Metallschrauben, Lacke, Auspolsterung sowie Material und Energie für die Fertigung. Das Material fühle sich etwas styroporartig und wie ein Camembert an, erzählt der 20-jährige Bestatter. Das Interesse an dem Sarg sei groß, am Ende falle die Entscheidung aber meistens doch für eine herkömmliche Lösung. Bei denjenigen, die sich für das neuartige Material entschieden, sei der Verstorbene etwa ein passionierter Pilzsammler und viel im Wald unterwegs gewesen.

Der Pilzsarg entsteht innerhalb weniger Tage aus Pilzmyzel und Hanffasern. Dafür werden die natürlichen Rohstoffe zu einem Substrat verarbeitet. Foto: Bestattungen Burger

„Es waren Menschen, die sich auch zu Lebzeiten gut mit dem Pilzsarg hätten identifizieren können“, sagt Bauer. Für andere Familien habe die nachhaltige Idee den Ausschlag gegeben. Mit rund 2500 Euro liege man im aber höherpreisigen Produktbereich. Günstige Sperrholzvarianten zum Einäschern kosteten im Vergleich nur ein paar Hundert Euro.

Pilzsarg ist mit 2,16 Metern deutlich länger als ein herkömmlicher Sarg

Völlig unproblematisch ist eine Bestattung im Pilzsarg nicht. Das hänge oftmals von der einzelnen Friedhofsverwaltung ab. „Die Reaktionen sind gemischt, bei manchen ist es nicht möglich“, sagt der Bestatter. Das eigentliche Problem sieht Bauer in der Größe: Der Sarg ist mit 2,16 Metern deutlich länger als ein herkömmlicher Sarg. Das könne beim Aushub eines Grabes Probleme bereiten, weil man möglicherweise durch das fehlende Standardmaß auf Felsfundamente stößt.

Friedhöfe haben außerdem einen genauen Blick auf die Bestattungsformen. Grundsätzlich soll sich ein Leichnam innerhalb der festgelegten Ruhefrist zersetzen. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) aus Erlangen verweist deshalb auf Anfrage auf den „Hygieneleitfaden Friedhöfe“. Demnach soll ein Sarg aus Materialien bestehen, die bei Erdbestattungen eine schadstofffreie Zersetzung ermöglichen. Dabei sei es insbesondere angesichts feuchter und lehmiger Böden, die in Bayern oftmals anzutreffen sind, notwendig, Störungen bei der Zersetzung des Leichnams vorzubeugen.

Auch Pilz-Urnen erhältlich

Hierbei erfülle ein klassischer Holzsarg mit seinem Hohlraum eine wichtige Funktion für die Zersetzung eines Leichnams. Mit Blick auf den Pilzsarg, der sich innerhalb von Wochen komplett auflöst, stellt das LGL fest: „Ob dies für einen guten Zersetzungsprozess ausreicht oder nicht, hängt von der jeweiligen Bodenbeschaffenheit des Friedhofes ab.“ Entsprechend liege es an den einzelnen Gemeinden, mit einem individuellen Blick einen Pilzsarg zu genehmigen oder auch abzulehnen. Bauer will die umweltfreundliche Sarg-Idee voranbringen. Inzwischen hat das Bestattungshaus auch eine Pilz-Urne im Angebot. (epd)

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