Friederike Mayröcker

* 20.12.1924 in Wien
† 04.06.2021 in Wien
Erstellt von Heilbronner Stimme
Angelegt am 05.06.2021
224 Besuche

Neueste Einträge (13)

Gedenkkerze

Christiane

Entzündet am 17.06.2021 um 15:34 Uhr

Liebe Friederike Mayröcker,

heute findet Ihre Beisetzung statt, mit einer sicher sehr würdevollen und bewegenden Trauerfeier, und es werden viele Menschen kommen und Ihnen die letzte Ehre erweisen, persönlich und in Gedanken, wie wir... Mir kommen Ihre Titel "Die Abschiede", "Das Herzzerreißende der Dinge", "Von den Umarmungen"... und Ihre gezeichneten Engel in den Sinn. Man wird Ihnen zu Ehren sicher J. S. Bach und Pergolesi spielen, Ihre Lieblingsblumen werden Ihr Andenken schmücken und alle werden weinen. Wir werden Sie so sehr vermissen. Ich hoffe und wünsche so sehr, dass Ihre Wohnung in der Zentagasse, in der Sie so lange gelebt haben, Ihrem "Geist" erhalten bleibt. Ihre Seele ist unsterblich! Ihr Freigeist, mit dem Sie Ihr Refugium, Ihre Schreibwerkstatt, Ihre ganz persönliche Lebenswelt erschaffen haben und über all die Jahrzehnte mit Ihrer besonderen Aura erfüllt haben, sollte Ihren Namen behalten und vielleicht für junge Schriftsteller, Künstler, Intellektuelle, sowie auch für Ihre treuen Leser und Fans ein Ort der Inspiration, des Staunens und der Begegnung werden, wie es bei anderen großen Persönlichtkeiten der Musik und der Literatur auch der Fall ist. Mit einer Gedenktafel außen am Haus... Das wäre so schön. Sicher werden Ihre engsten Freunde und die entsprechenden s. g. Damen und Herren in Wien, die so etws ermöglichen können, bald darüber beraten. Ich grüße Sie traurig mit einem leisen "Baba" und bin getröstet, dass Sie immerhin auf dem schönsten aller Friedhöfe Ihre letzte Ruhe finden werden, (wie auch meine Tante Gundi und meine Großeltern). 

Gedenkkerze

Christiane

Entzündet am 15.06.2021 um 20:21 Uhr

Liebe Friederike Mayröcker,

ruhen Sie sanft, nun wieder vereinigt mit Ihren Lieben. Aber ich bin mir sicher, Sie werden im Himmel weiterschreiben... Sie haben uns in Ihrem langen, erfüllten Leben mit Ihrer einzigartigen Poesie reich beschenkt, herzlichen Dank für all Ihre Inspiration. Ihren Anspruch:  "Nicht nur das Geschriebene, auch die Existenz musz poetisch sein", haben Sie in einzigartiger Weise gelebt. Und so, wie Sie in Ihren Büchern die Grenzen des Gewesenen, der Gegenwart, der Realität und der Traumwelt aufgehoben haben und einen Freiraum für das alles Verbindende geschaffen haben, so sind Sie auch nicht ganz gegangen, sondern immer auch noch bei uns, durch Ihre Bücher, Ihre Stimme, Ihre Bilder und Interviews... Und in unseren Herzen behalten Sie stets einen ganz  besonderen Platz.❤

Gedenkkerze

Samir

Entzündet am 06.06.2021 um 14:46 Uhr

Möge sie in Frieden Ruhen 

Friederike Mayröcker

05.06.2021 um 10:01 Uhr von Redaktion

Friederike Mayröcker (* 20. Dezember 1924 in Wien; † 4. Juni 2021 ebenda) war eine österreichische Schriftstellerin. Sie veröffentlichte von den 1950er-Jahren bis zu ihrem Tod stetig Lyrik, Prosa und Hörspiele und zählt zu den wichtigsten Autorinnen ihrer Generation im deutschsprachigen Raum.

Leben und Werk

05.06.2021 um 10:00 Uhr von Redaktion

Bereits als Kind erhielt Mayröcker während ihrer Sommeraufenthalte in Deinzendorf (bei Retz) prägende Eindrücke für die lebenslange schriftstellerische Arbeit. 1939, als sie fünfzehn Jahre alt war, schrieb sie erste literarische Texte. Von 1946 an war sie als Englischlehrerin an verschiedenen Wiener Hauptschulen tätig, zwischenzeitlich holte sie 1950 die Matura nach. Mayröcker lernte 1946 Otto Basil kennen, den Herausgeber der avantgardistischen Nachkriegszeitschrift Plan, in der auch Paul Celan und Erich Fried veröffentlichten. Einige Jahre später veröffentlichte der einflussreiche Kritiker Hans Weigel ihre Gedichte. Andreas Okopenko entdeckte sie für die Zeitschrift Neue Wege und brachte sie in Kontakt mit der Wiener Gruppe um H. C. Artmann und Gerhard Rühm.

 

 

Ernst Jandl und Friederike Mayröcker, anlässlich einer Lesung, Wien 1974

1954 lernte sie Ernst Jandl kennen. Beide waren von Wort und Sprache besessen, blieben aber noch auf den Brotberuf des Lehrers angewiesen, den sie beide weiterhin ausübten. Die ersten Veröffentlichungen wurden von der Öffentlichkeit wenig beachtet, man ordnete sie der experimentellen Wiener Gruppe zu, die nach Dada-Art die Bürger verschreckte und Verlage scheu machte. Jandl ging daher 1963 in die Bundesrepublik und nahm auch Mayröckers Arbeiten mit. In Stuttgart gewann er Max Bense für ihre Texte, in Berlin Walter Höllerer mit dem Literarischen Colloquium Berlin. 1965 erschien ihr Gedichtband metaphorisch. Gerald Bisinger vermittelte sie an den Rowohlt Verlag, wo 1966 Tod durch Musen erschien[3] mit einem Nachwort Eugen Gomringers, der das Neuartige der Montagetechnik Mayröckers hervorhob. Einer größeren Öffentlichkeit wurden Mayröcker und Jandl durch das gemeinsam verfasste Hörspiel Fünf Mann Menschen bekannt, für das sie den Hörspielpreis der Kriegsblinden erhielten. Arbeiten für den Rundfunk machten ein bescheidenes Leben ohne den Beruf als Lehrer möglich. 1969 ließ sich Mayröcker als Lehrerin karenzieren und konnte sich nun ungeteilt größeren Prosawerken und weiteren Hörspielen widmen. 1977 ließ sie sich frühpensionieren.

 

 

Friederike Mayröcker, Wien 1974

Friederike Mayröcker galt als eine der bedeutendsten zeitgenössischen Schriftstellerinnen im deutschen Sprachraum. Diese Stellung verdankte sie in erster Linie ihrer Lyrik, Erfolg hatte sie aber auch mit Prosa und Hörspielen. Vier davon verfasste sie gemeinsam mit Ernst Jandl, mit dem sie von 1954 bis zu dessen Tod im Jahr 2000 zusammenlebte. Teile ihres Werks wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.

 

Ihre Arbeitsweise beschrieb Mayröcker so: „Ich lebe in Bildern. Ich sehe alles in Bildern, meine ganze Vergangenheit, Erinnerungen sind Bilder. Ich mache die Bilder zu Sprache, indem ich ganz hineinsteige in das Bild. Ich steige solange hinein, bis es Sprache wird.“

 

Mayröckers Prosawerk wurde oft als autofiktional beschrieben. Die prominenten Ich-Erzählinstanzen berichten meist von lebensweltlichen und alltäglichen Begebenheiten, häufig werden klassisch autobiographische Elemente wie Zitationen privater Gespräche, Briefe und Tagebucheinträge in die Prosatexte eingearbeitet. Paradoxerweise bestand Mayröcker in Interviews immer wieder auf ihre „Biographielosigkeit“. Weil die Autorin in der Öffentlichkeit nicht sehr präsent war und die meisten Informationen über ihr Leben dem Werk entstammen, folgert Inge Arteel über Mayröckers Schreiben: „Das Werk ist nicht autobiographisch, es gibt aber kein Leben außerhalb des Werks, das Leben ist somit das Werk.“ Dadurch reflektiere die autofiktionale Prosa Mayröckers die Möglichkeiten und Grenzen autobiographischer Referentialität stets mit.

 

Bei Fembio wurde sie folgendermaßen eingeschätzt: „Ihre Texte entziehen sich dem rationalen Zugriff, sind ein poetisches, oft melancholisches Gespinst, sind Träume, die uns bezaubern – und befreien.“ Zu ihrem Buch Paloma schreibt Jörg Drews in der Süddeutschen Zeitung: „… die Autorin sagt ganz unkokett, dass sie 84 Jahre alt ist. Aber Friederike Mayröcker schreibt in ihrer ‚pneumatischen Fetzensprache‘, haucht alles in einer melancholischen Hast hin, im Ton einer entzückenden Leier, klagend und zugleich glücklich im Schreiben und nur noch im Schreiben.“

 

2008 wurde der „BioPic“-Dokumentarfilm Das Schreiben und das Schweigen über die Schriftstellerin veröffentlicht. Für den 2016 veröffentlichten Gedichtband fleurs, der nach études (2013) und cahier (2014) das Ende einer Trilogie markiert, gewann Mayröcker im selben Jahr den erstmals vergebenen Österreichischen Buchpreis. 2019 erwarb das Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek einen Teilvorlass. 2021 wurde sie für ihren Prosaband da ich morgens und moosgrün. Ans Fenster trete für den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik nominiert.

 

Friederike Mayröcker lebte in Wien, wo sie im Juni 2021 im Alter von 96 Jahren starb.

Weitere laden...
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel https://de.wikipedia.org/wiki/Friederike_Mayr%C3%B6cker aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung (de)). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.