Suchen Sie in 91.295 Anzeigen

Die Rentenlücke zwischen den Geschlechtern


Pixel-Shot - stock.adobe.com
 

Müssen Frauen anders vorsorgen?

von Annika Krempel, dpa

Die Rentenlücke zwischen den Geschlechtern ist eklatant. 2015 bezogen Frauen deutschlandweit im Schnitt 53 Prozent weniger Geld aus der gesetzlichen Rentenversicherung, Betriebsrenten und privater Altersvorsorge als Männer. Das errechnete das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Hans-Böckler-Stiftung.

Zwar wird die Lücke mit den Jahren kleiner, weil immer mehr Frauen arbeiten. Doch die Gefahr der Altersarmut ist damit nicht gebannt. Denn hinzukommt, dass Frauen laut dem Statistischen Bundesamt im Schnitt immer noch rund 21 Prozent weniger als Männer verdienen – und zugleich eine höhere Lebenserwartung haben.
 

Finanzielle Nachteile 

„Frauen haben andere finanzielle Risiken als Männer“, erklärt Sally Peters vom Institut für Finanzdienstleistungen (iff) in Hamburg. So verringern Kinderbetreuungszeiten und Teilzeitarbeit die gesetzlichen Rentenansprüche. „Und die aktuellen Unterhaltsregelungen sorgen nicht dafür, dass sie nach einer Scheidung im Alter noch abgesichert sind.“

Um im Alter nicht in die Armut zu rutschen, sollten Frauen also zusätzlich vorsorgen. „Die Lebensrealität zwingt Frauen dazu, anders zu planen als Männer. Bei vielen hat sich das Bewusstsein dahingehend schon verändert“, hat Peters beobachtet.
 

Investition in Aktien

Die Anlage-Tipps für Frauen unterscheiden sich nicht von denen für Männer. „Wer langfristig Vermögen aufbauen will, muss am Aktienmarkt anlegen – egal, ob Mann oder Frau“, meint Sara Zinnecker vom Verbraucherportal Finanztip.de.

Doch in einer Umfrage des Bankenverbands gaben lediglich 18 Prozent der befragten Frauen an, in Aktien zu investieren. Stattdessen wählen viele Finanzprodukte ohne Kursrisiko – aber auch ohne die Chance auf höhere Renditen. Zum Vergleich: 27 Prozent der männlichen Befragten gaben an, in Aktien zu investieren. Zinnecker rät bei der Geldanlage zu weltweit ausgerichteten Indexfonds (ETF), kombiniert mit den sicheren Bausteinen Fest- und Tagesgeld. Die Anlage in günstige Aktienfonds funktioniere auch prima in kleinen monatlichen Raten.

Doch wie? Genau an dieser Hürde scheitere es oft, sind sich die Expertinnen einig. Auch Anke Pauli musste sich einst privat mit dieser Frage beschäftigen. Heute betreibt sie „Geldfreundinnen.de“, ein Online-Portal für Finanzbildung für Frauen. Sie empfiehlt, zuerst eine Bestandsaufnahme zu machen. „Ganz klassisch mit einem Haushaltsbuch Einnahmen und Ausgaben festhalten. Daraus lässt sich ableiten, wie viel Geld zur Vorsorge übrig ist oder wo sich noch sparen lässt.“ Danach sollten Frauen feststellen, wie viel Geld sie selbst im Alter haben werden, an gesetzlicher Rente oder aus privaten Verträgen.
 

Errechung des Rentenanspruchs

Bei der Analyse der eigenen finanziellen Situation kann ein Beratungstermin bei der Gesetzlichen Rentenversicherung sinnvoll sein. Die Experten errechnen den aktuellen Stand des Rentenanspruchs und die Rentenlücke, also den Unterschied zwischen dem Monatseinkommen vor Renteneintritt und der monatlichen Zahlung der gesetzlichen Altersvorsorge danach.
 

Grundwissen über die Vermögenslage

Sobald man weiß, wie die finanzielle Situation im Alter aussieht, kann man gezielt anfangen, Vermögen aufzubauen. Das nötige Grundwissen liefern Ratgeberbücher, Blogs und auch unabhängige Beratungsangebote, etwa von den Verbraucherzentralen, so Peters.

Geldanlage sei gar nicht so schwierig, so Pauli. Wer auf dem Börsenparkett noch unsicher sei, könne sich langsam an das Thema herantasten und erstmal einen kleinen Betrag anlegen. „Wenn man das Depot über eine Zeit beobachtet, bekommt man ein Gefühl für Kursschwankungen und lernt, auch mit Verlusten umzugehen.“

Die Finanzen selbst in die Hand zu nehmen, bedeutet für Sally Peters nicht nur, Geld zurückzulegen. „Frauen überlegen zunehmend, was ihre Lebensentscheidungen auch finanziell bedeuten“, berichtet sie. Es sei wichtig, gemeinsam mit dem Partner zu hinterfragen, was etwa Teilzeit oder eine berufliche Auszeit für die Rente bedeuten.

Autor: Annika Krempel