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Trauercafé spendet Trost

Über den Verlust eines Menschen zu sprechen, hilft nicht nur den Trauernden. Auch das Zuhören ist eine wichtige Erfahrung. Foto: iStock
Über den Verlust eines Menschen zu sprechen, hilft nicht nur den Trauernden. Auch das Zuhören ist eine wichtige Erfahrung. Foto: iStock

Mit einem Hospiz verbinden viele zunächst einmal das Sterben. Doch in den vergangenen Jahren ist auch die Situation der Hinterbliebenen ein wichtiger Bestandteil der Hospizarbeit geworden. „Der Bedarf der Trauernden, über ihre Gefühle zu reden, hat zugenommen“, erklärt Petra Flake vom Hospizdienst Leintal. Dieser hat wie viele andere Einrichtungen im Stadtund Landkreis Heilbronn reagiert und Angebote entwickelt.

Einander zuhören

Das Frühstück für Trauernde beispielsweise stößt auf große Nachfrage. „Seit drei Jahren bieten wir in Schwaigern diese Möglichkeit zum ungezwungenen Austausch an“, sagt Flake. In Heilbronn, Eppingen und Bad Friedrichshall öffnen regelmäßig sogenannte Trauercafés ihre Türen. Auch dort kann jeder über alles reden und findet Menschen, die zuhören. „Und in einem Trauercafé braucht niemand das Gefühl zu haben, andere zu nerven“, erklärt Christine Wagner vom ambulanten Hospizdienst Zabergäu.

Offene Angebote für Trauernde in Heilbronn und Umgebung:

  • Hospizdienst Bad Friedrichshall und Umgebung e.V.
    Tel. 0170-8327717
    Trauergruppe jeden zweiten Dienstag im Monat von 18 bis 20 Uhr, Trauercafé jeden dritten Mittwoch im Monat von 15 bis 17 Uhr, Wandergruppe jeden vierten Mittwoch im Monat, Trauergruppe für Eltern und Geschwister, Stammtisch für Trauernde ein Mal im Monat (Termine jeweils auf Nachfrage).
  • Hospizdienst Leintal
    Tel. 07138 973012
    Frühstück für Trauernde jeden dritten Samstag im Monat von 9 bis 11 Uhr, Katholische Kirche, Weststraße 7, Schwaigern.
  • Kirchlich ambulanter Hospizdienst Kraichgau
    Tel. 0175 1932221
    Trauercafé Eppingen, jeden ersten Sonntag im Monat im Ev. Gemeindehaus, Kaiserstraße 3. Trauercafé Sinsheim, jeden ersten Samstag im Monat im Ev. Gemeindezentrum, Werderstr. 7.
     
  • Ökumenischer Hospizdienst Neckar, Kocher Jagst e.V.
    Tel. 07136 21207 oder 24681
    Ökumenisches Trauercafé jeden ersten Dienstag im Monat ab 15 Uhr im Gemeindehaus St. Barbara, Tulpenweg 11/1, Bad Friedrichshall-Kochendorf.
  • Diakonisches Werk Heilbronn
    Tel. 07131 964430/33
    Trauercafé jeden ersten und dritten Sonntag im Monat von 14.30 bis 17 Uhr im Diakonischen Werk, Schellengasse 9, Heilbronn.


Trauergruppen

Über das Landratsamt Heilbronn kann ein Flyer mit den Angeboten in Stadt- und Landkreis bezogen werden. In Hohenlohe kann man sich an die Diakonie und an Caritas wenden.

 

Ehrenamtliche sind gesucht

In den Trauercafés arbeiten Ehrenamtliche, die eine Schulung zum Trauerbegleiter gemacht haben. Während diese Tätigkeiten relativ gut besetzt sind, suchen die Hospize und Hospizdienste in der Region ständig Helfer für die Sterbebegleitung. Auch hier werden Ehrenamtliche eingehend für die Arbeit geschult. Die Tätigkeit ist nicht nur belastend, erklären Engagierte wie Lore Fahrbach von der ökumenischenHospizhilfe in Lauffen.

„Man lernt sich selbst kennen, und man lernt Demut.“ Zugleich erlebe man auch viel Dankbarkeit. „Das entgegengebrachte Vertrauen, die Offenheit sind ein Riesengeschenk“, beschreibt auch Petra Flake die Tätigkeit als sehr erfüllend. Während offene Angebote unverbindlich besucht werden können, bedarf es für die zahlreichen Trauergruppen meist einer Anmeldung.

Dabei gibt es neben allgemeinen Gruppen für trauernde Angehörige auch spezielle Angebote für verwaiste Kinder, für Hinterbliebene nach dem Suizid eines Angehörigen oder für Eltern, die um ihr Kind trauern. Noch vor zehn Jahren war ein derart breites Hilfsspektrum in der Region undenkbar. Doch die Zeiten haben sich geändert, sagt Manuela Wacker vom kirchlichen ambulanten Hospizdienst Kraichgau: „Viele sind nach dem Tod des Partners einfach sehr einsam. Die Kinder wohnen oft weit weg oder haben keine Zeit.

Nachbarn und Freunde trauen sich auch heute noch nicht, auf die Trauernden zuzugehen.“ Oder sie seien hilflos und überfordert, ergänzt Hilde Göckle vom ambulanten Hospizdienst Neuenstadt. In den Cafés und Gesprächsgruppen finden Betroffene dagegen Menschen, denen es ähnlich geht: „Es bilden sich auch neue Kontakte und Freundschaften“, sagt Flake. Und so helfen die Angebote der Hospizdienste trauernden Hinterbliebenen, wieder Tritt zu fassen im eigenen Leben.

Abschiednehmen beginnt schon vor dem Tod

Wobei Trauerarbeit nicht erst mit dem Tod beginnen sollte, erklären Michael und Annemarie Jung vom Hospiz der Gezeiten in Bad Friedrichshall. „Schon das Abschiednehmen vom Sterbenden ist ein wichtiger Teil des Trauerns“, sagt Annemarie Jung. „So vermeidet man auch, sich hinterher Vorwürfe zu machen wie: Ach hätte ich doch…“ Aus diesem Grund gibt es auch Hospizangebote für all jene, die einen geliebten Menschen verlieren werden, aber nicht allein in ihrer Situation bleiben möchten.

Weitere Möglichkeiten zum Austausch mit anderen Trauernden und Trauerbegleitern bietet auch unser Trauerhilfe Forum. Hier können Sie sich regelmäßig austauschen, jeden Dienstag um 20 Uhr finden außerdem Chats mit ausgebildeten Trauerbegleitern statt.

 

Autor: Andreas Tschürtz