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Trauer bei Jugendlichen


Trauer um einen geliebten Menschen ist ein völlig neues, unerwartetes Gefühl, mit dem Jugendliche oft überfordert sind.
Foto: Franziska Gabbert


Trauer bei Jugendlichen

Plötzlich ist da nur noch Leere - wie Jugendliche den Tod eines Angehörigen oder Freundes verarbeiten

An einem sonnigen Tag Anfang Mai kommt der Anruf, der Anna-Maries Leben für immer verändert. Sie ist gerade 18, als ihre große Schwester plötzlich Suizid begeht. Für Anna-Marie bricht eine Welt zusammen. „Die erste Zeit habe ich nur im Bett gelegen, unfähig mich zu bewegen, mit starrem Blick an die Wand gerichtet. Ich konnte am Anfang nicht einmal weinen“, erinnert sie sich drei Jahre danach. In sich fand sie nur Leere. Es war, als liege ein Stein auf ihrer Brust, der ihr die Luft zu atmen raubt. „Damals habe ich mich der Trauer so ausgeliefert gefühlt.“
Wenn Jugendliche Erfahrungen mit dem Tod machen, ist das oft besonders hart, sagt Diplom-Psychologin Franziska Röseberg, Mitherausgeberin des „Handbuch Kindertrauer“. Heranwachsende sind gerade dabei, ihren Platz im Leben zu finden, stecken mitten im Entwicklungsprozess. Trauer ist ein völlig neues, unerwartetes Gefühl, mit dem sie oft überfordert sind.

Beratung Manche trauernden Jugendlichen finden Hilfe bei einer Trauerberatung. Eine davon ist „Klartext“ – ein Projekt des Kinder- und Jugendhospiz Balthasar in Olpe. „Es gibt kein Standardprogramm, mit dem man die Jugendlichen abwiegeln kann“, sagt Mitarbeiterin Marion Riese. Am wichtigsten sei, einen vertrauensvollen Raum für tiefe Gespräche zu schaffen und zuzuhören. Sie spricht mit den Jugendlichen über Ängste und Sorgen, über witzige und schöne Begebenheiten mit dem Toten, über den Schmerz, die Verzweiflung und die Zukunft. „Wir geben Hilfe zur Selbsthilfe, versuchen zu unterstützen“, beschreibt sie ihre Arbeit.

Anna-Marie redete mit ihren Freunden. „Aber auch nur, wenn sie mich darauf angesprochen haben. Es ist zwar immer noch sehr schmerzhaft, darüber zu sprechen, aber im Nachhinein tut das so gut. Als würde ein Stein vom Herzen fallen“, erzählt sie.
Im Familienkreis dagegen fällt es ihr schwer zu trauern. Laut Marion Riese kein Einzelfall: Viele Jugendliche halten ihre Trauer in der Familie zurück, um die anderen zu schützen oder ihnen eine starke Schulter zu bieten. Schließlich trauern alle. Dabei ist es Rieses Ansicht nach wichtig, jungen Menschen einen Platz für ihre Trauer zu bieten. Ein Weg kann das Gespräch sein, aber auch kreative Beschäftigungen wie Malen, Tagebuch schreiben oder Sport können ein Ventil sein. „Jedem tut etwas anderes gut. Es kommt immer auf die Situation, auf den Tag, den Moment drauf an“, erklärt Psychologin Röseberg. Sie rät, die Betroffenen selbst zu fragen, wie man als Freund, Lehrer oder Bekannter mit der Situation umgehen sollte.

Veränderung Im Lauf der Zeit verändert sich die Trauer. Am Anfang war die tote Schwester für Anna-Marie allgegenwärtig. „Ich habe nur an sie gedacht, jeden Tag“, erklärt sie. Mit Erinnerungen aus der gemeinsamen Kindheit und Jugend, aber auch an Ereignisse rund um den Todeszeitpunkt hat sie ihre Schwester gedanklich am Leben erhalten. Marion Riese weiß aus ihren Gesprächen, dass bei Jugendlichen in der Regel die Trauer nach gut einem Jahr an Intensität verliert. Laut Röseberg begleitet der Verlust die Nahestehenden aber ein Leben lang: „Gerade bei einschneidenden Ereignissen wie Hochzeit oder Geburt des eigenen Kindes fühlt man sich wieder an die geliebte Person erinnert.“
Heute fühlt sich Anna-Marie der Trauer nicht mehr so ausgeliefert. Sie denkt immer noch viel an ihre Schwester, aber die Gedanken vereinnahmen sie nicht mehr. „Ich habe gelernt, meine Trauer zu kontrollieren und ihr einen Platz in meinem Leben zu geben.“

Hilfe für trauernde Kinder

Stadt- und Landkreis Heilbronn: Verein Lichtblick-TAK
Telefon: 0700 11224477 (zwölf Cent pro Minute),
E-Mail: info@lichtblick-tak.de

Hohenlohekreis: Ökumenischer
Hospizdienst in Öhringen,
Telefon: 07941 648026,
SMS: 0173 9285725,

E-Mail: info@hospizdienst-oehringen.de

Von Verena Gabler, dpa