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11 Tipps für den Umgang mit Trauernden


Foto von Gabriela Palai von Pexels

von Ulrike Kübelwirth, Heilbronner Stimme

Auf der Website www.wir-sind-noch-hier.de (L(i)eben, Sterben, Tod, Trauer) haben sich Hinterbliebene zusammengefunden, die sich mit vielen Facetten des Themas Tod und Trauer auseinandersetzen. Dort finden sich auch elf Tipps zum Umgang mit Trauernden:


Nachfragen: Es ist wichtig, ehrlich nachzufragen wie es der trauernden Person geht. Dabei nicht übervorsichtig, sondern direkt sein.


Sich zurücknehmen: Anfangs drauf achten, „dass Du nicht permanent versuchst, die trauernde Person mit Erzählungen aus Deinem Leben abzulenken. Das funktioniert nämlich nicht. Eine trauernde Person hat gerade etwas verloren, was sie nie wieder zurückbekommen wird: einen Menschen. Und das verändert ein stückweit ihr gesamtes Leben.“


Der Tod ist keine ansteckende Krankheit: Der Tod ist etwas ganz Normales. Und nur weil man Angst davor hat, sich ihm zu stellen, heißt das nicht, dass es der trauernden Person genauso geht. Reden ist wichtig. Einfach ausprobieren. Es ist gar nicht so schlimm.


Es darf auch gelacht werden: Ja, der Tod ist traurig. Aber der Tote war das ja nicht immer, er hatte vielleicht sogar jede Menge Humor oder es gab einen Gesichtsausdruck, eine Angewohnheit, an die ihr euch gemeinsam erinnern könnt. Wieso solltet ihr nicht auch mal darüber lachen, was er zu Lebzeiten für Unfug gemacht hat?


Es braucht keine Geschenke: Lustige Karten oder Süßigkeiten zwingen die trauernde Person dazu, sich aus ihrem Gefühlssumpf aufzuraffen, weil sie sich darüber freuen muss. Sie hat ihren Anstand nicht verloren, und möchte dankbar sein. Nur bringt ihr die Tafel Schokolade nichts, wenn sie keinen Happen herunter bekommt. Und ein „Keep Smiling“ entlockt ihr vielleicht erst dann ein Lächeln, wenn ein wenig Zeit vergangen ist. Möglicherweise sind Aufmerksamkeiten auch nur eine Ausrede, um am Ende sagen zu können: „Ich habe mich gekümmert.“


Einfach dasein: Egal wie weit man weg wohnt, wenn es möglich ist, kurzfristig mal freizunehmen, einfach tun. Das zeigt der trauernden Person, dass sie wichtig ist.


Hektik vermeiden: Dem Trauernden keinen Druck machen, indem man glaubt, dass nach drei Monaten das Leben wie gewohnt weiter gehen muss. Der Verlust ist manchmal so plötzlich und unerwartet wie ein Schluckauf wieder da und erschüttert die trauernde Person, so dass die Aufforderung „jetzt muss aber langsam wieder alles gut sein“ eher kontraproduktiv wirkt.


Berufliches von Privatem trennen: Wer in einem Beruf arbeitet, in dem häufig gestorben wird, wie im Krankenhaus oder im Hospiz, sollte nicht sagen, dass er den Tod ständig erlebt, sondern Hilfestellungen bieten.


Stützen: Den eigenen Stress nicht in die episodische Trauerzeit eines anderen mit einfügen, sondern einfach die Person stützen, die es gerade am dringlichsten braucht.


Nicht vergleichen: Sätze vermeiden wie: „Als sich Peter von mir trennte, habe ich mich auch so gefühlt.“ Ja, eine Trennung ist schlimm, aber der Tod ist anders schlimm. Für gewöhnlich hinken Vergleiche sowieso. Am besten fragen, ob es etwas Vergleichbares gibt. Sagte der Hinterbliebene „nein“, dies einfach akzeptieren und zugeben, dass man sich den Verlust eines Menschen einfach nicht vorstellen kann.


Erneut nachfragen: Auch wenn ein Jahr ins Land gegangen ist, heißt das nicht, dass die Trauer vorüber ist. Erneut nachfragen, vielleicht möchte die trauernde Person sogar erzählen, wie es ihr inzwischen geht und wie sich der Tod auf das Leben ausgewirkt hat.
red

Autor: Ulrike Kübelwirth