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Mit dem Erbe gemeinnützige Projekte unterstützen


Jacob Lund - stock.adobe.com

Im Testament können Erblasser bestimmen, dass ihr Besitz gemeinnützigen Projekten zugutekommt

Von Ann-Kristin Wenzel, dpa


Mit dem Tod soll es nicht ganz vorbei sein: Viele Menschen wollen etwas Bleibendes hinterlassen. Möglichkeiten, mit dem Vermögen nach dem Tod noch Gutes zu bewirken, gibt es viele: Erblasser können zum Beispiel einer Stiftung oder einem gemeinnützigen Verein Geld oder andere Vermögenswerte zur Verfügung stellen. Doch welcher Empfänger kann dafür in Frage kommen?
Bei der Entscheidung bieten Tätigkeits- oder Jahresberichte oft Orientierung, erklärt Max Mälzer. Er ist Geschäftsführer des Deutschen Spendenrates. Gemeinnützige Vereine, Stiftungen und Organisationen zeigen darin regelmäßig, wie sie ihre Mittel verwendet haben. „Seriöse Organisationen beschreiben konkrete Projekte und drucken nicht nur professionelle Fotos ab“, so erklärt der Vertreter des Dachverbands Spenden sammelnder gemeinnütziger Organisationen in Deutschland. Wichtig: Die Entscheidung soll wohlüberlegt fallen können. „Wer emotionalen Druck aufbaut und etwa Schwerkranken vermittelt, sie müssten mit Geldbeträgen Buße tun, nutzt eine Zwangssituation aus. Das ist nicht seriös.“


Stiftung mit gemeinnützigem Zweck

Wer schon weiß, wofür er sein Vermögen einsetzen will, hat noch eine andere Möglichkeit: sich selbst mit einer Stiftung engagieren. „Oft hat die Stiftung auch den Zweck, die Erinnerung an sich selbst wachzuhalten, indem man sie nach sich oder den Eltern benennt“, erzählt der Fachanwalt für Erbrecht Paul Grötsch. „Stiftungen sind auf Dauer angelegt und haben einen bestimmten Zweck“, erklärt der Geschäftsführer des Deutschen Forums für Erbrecht. „Das Vermögen, das in die Stiftung eingebracht wird, darf im Normalfall nicht verbraucht werden.“ Mit den Erträgen wird das Stiftungsziel verfolgt.
Dafür profitieren Stiftungen von einer Ausnahmeregelung, wenn sie als gemeinnützig anerkannt sind: Für sie fallen weder Körperschafts- oder Gewerbesteuer noch die Erbschaftssteuer an. „Die Abgabenordnung gibt vor, was als gemeinnützig anerkannt ist“, sagt Wolfgang Stückemann. „Zum Beispiel die Förderung der Jugend- und Altenhilfe, von Kunst und Kultur oder Sport“, zählt der Fachanwalt für Erbrecht auf.
Wer nicht so viel in die Stiftung einbringen kann, gründet am besten eine unselbstständige Stiftung, erklärt Stückemann. „Unselbständige Stiftungen sind an eine andere Einheit angebunden, zum Beispiel eine Bank, Sparkasse oder eine größere Stiftung“, sagt der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Spendenrats. „Sie sind keine eigene Rechtspersönlichkeit, sondern Treuhänder entscheiden.“ Bei einem niedrigen Kapital von unter 100?000 Euro sei es besser, diese Form zu wählen. „Mit einer selbstständigen Stiftung hat man relativ viel Arbeit, zum Beispiel mit der Steuer“, erklärt der Anwalt.


Stiftungskapital für die Gründung

Eine Mindestsumme für die Gründung gibt es nicht, sagt Grötsch. In der Praxis verlangen viele Finanzämter aber ein Stiftungskapital von mindestens 25?000 Euro bei unselbstständigen und 100?000 Euro bei selbstständigen Stiftungen.
Wer sich zur Gründung entschieden hat, hat nach Ansicht der Experten die Wahl, ob er die Stiftung bereits zu Lebzeiten in die Wege leitet – oder dies erst im Testament vorsieht. „Wenn man die Stiftung vor dem Tode gründet, kann man die Zielverfolgung mitdefinieren und erleben, wie sie anfängt, zu arbeiten“, sagt Stückemann. Einen Haken hat die frühe Gründung aber: „Das Geld ist dauerhaft weg, selbst wenn der Stifter später Geldsorgen hat, kann er nicht mehr darauf zugreifen“, so Grötsch. Deshalb ist auch die zweite Möglichkeit beliebt: Im Testament können Erblasser vorsehen, das von Todes wegen eine Stiftung gegründet wird.
 

Autor: Ann-Kristin Wenzel