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Der Friedhofgärtner

Immer mehr Menschen können die Gräber ihrer Angehörigen nicht selbst pflegen. Abhilfe kann ein Dauergrabpflegevertrag schaffen. Was dabei zu beachten ist, verrät Expertin Elizabeth Anna Wirth, Geschäftsführerin der Genossenschaft Württembergischer Friedhofsgärtner in Stuttgart.

Trauer & Gedenken: Wenn ich eine Mode-Blume oder ein Figürchen auf dem Grab meines Angehörigen haben möchte – setzt mein Friedhofsgärtner das dann um?

Elizabeth Anna Wirth:  Auf jeden Fall, sofern die jeweilige Grabart und natürlich die jeweilige Friedhofssatzung dies zulassen. Sie müssen wissen, es gibt keinen Platz in Deutschland, der rechtlich derart reglementiert ist wie der Friedhof.

Trauer & Gedenken: Der Trend zu alternativen Bestattungsformen etwa in Friedwäldern macht Ihrer Branche seit längerem Sorgen. Wie reagieren Sie auf die Entwicklung?

Wirth: Die Gesellschaft ändert sich – die Bedürfnisse der Menschen nicht. Soll heißen: Das Bedürfnis, Verstorbenen ein Andenken zu schaffen, ist so alt wie die Menschheit selbst; auch in unserer schnelllebigen Welt brauchen Trauer und Gedanken ihren Platz.

Und hier setzen wir an: Wir bekennen uns zum Friedhof, denn diese sind Spiegelbild unserer Kultur. Wir erkennen den Wunsch nach Vielfalt an, auch nach Bestattungsvielfalt, sofern sie auf dem Friedhof stattfindet, denn ein Grab – ist mehr als nur ein kleiner Flecken Erde.

Als eine Antwort diese Entwicklung hat die Genossenschaft Württembergischer Friedhofsgärtner die Konzepte der "Gärtnerbetreuten Grabfelder" und "Behütet unter Bäumen" entwickelt. Des weiteren präsentieren wir Friedhofs- und Grabkultur auf Publikumsmessen wie der Oberschwabenschau in Ravensburg, der Messe Lebenswende in Stuttgart, um den Friedhof als den Ort für unsere Erinnerung wieder ins Bewusstsein der Menschen zu rücken.

Gleichzeitig bieten wir das Grabpflegekonzept der Dauergrabpflege, auch als Vorsorge-Vertrag an, um dem gesellschaftlichen Wandel Rechnung zu tragen.

Trauer & Gedenken:  Wie sehen solche Memoriam-Gärten aus?

Wirth: In Württemberg bietet die Genossenschaft gärtnerbetreute Urnengemeinschaftsgrabanlagen als „Gärten der Erinnerung“ an. Von „Gärtnerbetreuten Urnengemeinschaftsgrabanlagen“ spricht man, wenn ein oder mehrere Friedhofsgärtner vor Ort das gesamte Grabfeld bepflanzen, und über die gesamte Laufzeit pflegen – also rundherum betreuen, auch wenn die Anlage noch nicht belegt sein sollte.

Für die Hinterbliebenen entsteht so keine aufwändige und langfristige Grabpflege. Sie erwerben eine Grabstätte in einer bereits fertiggestellten Anlage mit der dazugehörigen Dauergrabpflege zu einem festen Komplettpreis.

Durch die durchgängige Bepflanzung – auch Pflegevereinbarungen mit Wechselflor sind möglich – sowie das Anlegen von Aufenthaltsbereichen, wird dem Trauernden ein geborgener Raum zur Trauerbewältigung angeboten, sozusagen ein „Garten der Erinnerung“. Die Friedhofsgärtner, die diese Dienstleistung erbringen, sind Mitglieder der Genossenschaft Württembergischer Friedhofsgärtner.

Trauer & Gedenken: Was ist ein Dauergrabpflegevertrag?

Wirth: Ein Dauergrabpflegevertrag ist ein Serviceangebot Ihres Friedhofs-gärtners, der Ihnen in Verbindung mit der Genossenschaft Württembergischer Friedhofsgärtner Sicherheit für eine langfristige fachliche Grabpflege auch im Rahmen einer Vorsorge bietet. Die Laufzeit des Dauergrabpflegevertrages beträgt zwischen fünf und 30 Jahre und länger. Sie richtet sich oft nach der Grabnutzungsdauer.

Trauer & Gedenken:  Wann ist der Abschluss eines Dauergrabpflegevertrages empfehlenswert?

Wirth: Ein Dauergrabpflegevertrag ist immer dann empfehlenswert, wenn man weiß, dass keine Verwandten sich um die Grabpflege kümmern, weil sie nicht in der Nähe wohnen oder keine Zeit haben.

Trauer & Gedenken: Zu welchem Zeitpunkt sollte ein Dauergrabpflegevertrag abgeschlossen werden?

Wirth:  Sie können einen Dauergrabpflegevertrag als Vorsorge-Vertrag aschließen. Dann können Sie den Umfang der gärtnerischen Leistung ganz nach Ihren persönlichen Wünschen vereinbaren und jederzeit anpassen oder ergänzen. Ein wichtiger Aspekt der Vorsorge ist dabei, dass Sie den Vertrag bereits zu Lebzeiten abschließen können und eine genaue Leistungsbeschreibung mit einer entsprechenden Kostenaufstellung erhalten.

Den Hinterbliebenen wird so in der Ausnahmesituation des Verlustes eine große Hilfe und Entlastung zuteil, die dazu beiträgt, den Weg in die erleichternde Trauer zu ebnen. Selbst wenn der spätere Erblasser zu Lebezeiten noch keinen Dauergrabpflegevertrag abschließen möchte, kann dieser durch eine letztwillige Verfügung im Rahmen eines Vermächtnisses zu Gunsten der Genossenschaft für die spätere Grabpflege Sorge tragen.

Unter Beachtung der entsprechenden Formvorschriften wird dabei der Genossenschaft ein einmaliger Geldbetrag mit der Auflage vermacht, hiermit das Grab für eine bestimmte Laufzeit im ortsüblichen Umfang zu pflegen und alljährlich zu bepflanzen.

Trauer & Gedenken: Auf welchen Heilbronner Friedhöfen kann ein Dauergrabpflegevertrag abgeschlossen werden?

Wirth: Auf allen Friedhöfen, auf denen ein Friedhofsgärtner zugelassen ist, der auch Mitglied der Genossenschaft Württembergischer Friedhofsgärtnern ist:  Böckingen, Biberach, Frankenbach, Horkheim, Kirchhausen, Klingenberg, Neckargartach und auch Sontheim. Bei Fragen steht unsere Genossenschaft gerne mit Rat und Tat zur Seite.

Autor: Marco Weiß