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Herausforderung Weihnachten

Die Herausforderung Weihnachten

Feiertage haben es an sich, dass sie unsere derzeitige Gefühlslage verstärken. Geburtstage, Todestage, Hochzeitstage – und jetzt aktuell Weihnachten und Silvester zeigen uns noch einmal sehr deutlich, wie unsere Stimmungslage aussieht. 

Geht es uns seelisch gut, fühlen wir uns an Feiertagen noch wohler. Geht es uns schlecht, weil wir traurig sind, weil wir trauern, dann wird es uns an den Feiertagen noch schlechter gehen als in den Tagen zuvor. Das mag soweit führen, dass Ärzte durchaus von einer depressiven Phase sprechen können. An solchen Tagen lastet die Erinnerung an glücklichere Zeiten noch schwerer auf der Psyche. 

„Die Nacht ist schon schlimm, aber dann kommt der Morgen. Schonungslos. Wie stehe ich das Fest durch? Am besten wäre Liegenbleiben. Die Decke über den Kopf ziehen und durchschlafen, bis Weihnachten vorüber ist.“ 

Manchen Trauernden kommt es so vor, als sei die Fähigkeit, irgendetwas wie Freude empfinden zu können, ausgeschaltet. Die Freude der Mitmenschen an den Weihnachtsfeierlichkeiten kann sogar unerträglich werden.

Damit uns diese Tage, die wir früher mit unseren Lieben gemeinsam verbringen konnten und die uns Freude brachten, nicht völlig aus dem Gleichgewicht bringen, ist eine Vorbereitung auf diese Zeit ratsam. Überlegen wir uns schon vorher, wie wir diese Tage verbringen können:

  • Was mache ich morgens, mittags, abends?
  • Gehe ich vielleicht auf den Friedhof? Wann? Alleine? Was nehme ich mit?
  • Kann ich Gemeinschaft mit anderen ertragen oder möchte ich lieber alleine sein?
  • Mit wem treffe ich mich?
  • Wer kann mir zu Seite stehen?
  • Gibt es eine Trauergruppe in meiner Umgebung, wo es anderen auch so geht?
  • Gehe ich vielleicht lieber arbeiten, übernehme möglicherweise die Vertretung für andere?
  • Wenn ich alleine bleibe: Wie kann ich mich ablenken, wie die Zeit überbrücken, bis der „normale“ Alltag wieder einkehrt?
  • Schreibe ich vielleicht einen Brief an den Verstorbenen?

Im Laufe der Jahre werden sich für diese besonderen Gedenktage kleine Rituale herausbilden, immer wiederkehrende Tätigkeiten, denen eine besondere Bedeutung zukommt. Rituale geben Halt und Sicherheit gerade in Zeiten des Umbruchs im eigenen Leben. Sie helfen uns, unsere Unsicherheit zu ertragen und geben uns ein Gefühl von Geborgenheit, weil wir im Laufe der Zeit etwas Vertrautes haben, mit dem wir Weihnachten und andere Jahrestage überstehen können. 

In der jüdischen Kultur gibt es das Ritual, am Todestag ein Licht anzuzünden und es einen Tag lang brennen zu lassen. Manche Katholiken lassen eine Messe für den Verstorbenen halten.

Was wir an den Weihnachtstagen tun, das kommt uns zugute. Es ist eine Fürsorge für uns selbst. Laufen wir nicht unbedacht in diese Zeit, sondern bereiten wir uns darauf vor, indem wir uns vorher überlegen, wie wir diese Tage verbringen. 

Das wird uns nicht die Traurigkeit nehmen, die wir gerade empfinden, nicht vor Tränen, Wut, Verzweiflung schützen – aber es wird uns ein Geländer sein, an dem wir uns in dieser Zeit festhalten können.

Haben wir keinen zu hohen Anspruch an uns: Es reicht, wenn wir das erste Weihnachten ohne unsere Lieben heil überstehen und danach wieder in den Alltag zurückkehren können!

Trauer | Jahrestag | Weihnachten | Ritual | Bild: Sender

 

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Kai Sender
Sozialarbeiter
Bremen
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